{"id":3024,"date":"2021-12-01T21:02:48","date_gmt":"2021-12-01T20:02:48","guid":{"rendered":"https:\/\/www.aks-metzingen.eu\/aks\/?p=3024"},"modified":"2021-12-25T09:44:42","modified_gmt":"2021-12-25T08:44:42","slug":"der-hass-auf-die-besatzer-ist-geschwunden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.aks-metzingen.eu\/aks\/der-hass-auf-die-besatzer-ist-geschwunden\/","title":{"rendered":"\u201eDer Hass auf die Besatzer ist geschwunden\u201c"},"content":{"rendered":"<p><em>Dieser Beitrag wird mit freundlicher Genehmigung der S\u00fcdwest Presse ver\u00f6ffentlicht.<\/em><\/p>\n<p>Harmen Atema kam 1943 als Zwangsarbeiter in die Kelternstadt. Kurz vor Kriegsende wurde er zum Parlament\u00e4r und verhandelte mit den Alliierten. Das Ermstal besuchte er sp\u00e4ter regelm\u00e4\u00dfig.<\/p>\n<div id=\"attachment_3028\" style=\"width: 594px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/www.aks-metzingen.eu\/aks\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/1988AtemaGarten_AKS100_quer-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-3028\" class=\"wp-image-3028 size-large\" src=\"http:\/\/www.aks-metzingen.eu\/aks\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/1988AtemaGarten_AKS100_quer-1024x712.jpg\" alt=\"\" width=\"584\" height=\"406\" srcset=\"https:\/\/www.aks-metzingen.eu\/aks\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/1988AtemaGarten_AKS100_quer-1024x712.jpg 1024w, https:\/\/www.aks-metzingen.eu\/aks\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/1988AtemaGarten_AKS100_quer-300x209.jpg 300w, https:\/\/www.aks-metzingen.eu\/aks\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/1988AtemaGarten_AKS100_quer-768x534.jpg 768w, https:\/\/www.aks-metzingen.eu\/aks\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/1988AtemaGarten_AKS100_quer-1536x1068.jpg 1536w, https:\/\/www.aks-metzingen.eu\/aks\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/1988AtemaGarten_AKS100_quer-2048x1423.jpg 2048w, https:\/\/www.aks-metzingen.eu\/aks\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/1988AtemaGarten_AKS100_quer-432x300.jpg 432w\" sizes=\"auto, (max-width: 584px) 100vw, 584px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-3028\" class=\"wp-caption-text\">Harmen Atema in seinem Garten, in dem er Erde aus Metzingen ausgestreut hatte<\/p><\/div>\n<p><!--more-->Harmen Atema teilte das Schicksal vieler junger M\u00e4nner und Frauen, deren Heimat von der Wehrmacht erobert worden war. Der junge Holl\u00e4nder z\u00e4hlte zum Millionenheer der Zwangsarbeiter, die f\u00fcr das Dritte Reich schuften mussten. 1943 wurde er von den braunen Machthabern dienstverpflichtet, der Zufall f\u00fchrte ihn in die Fabriken der Firmen Holder und Henning.<\/p>\n<p>Was er w\u00e4hrend seiner Zeit im Ermstal erlebte, hielt der 1921 in Friesland geborene Atema in seinem Tagebuch fest. Darin schildert er auch die teils dramatischen Ereignisse, die sich in den Wochen vor dem Kriegsende und in den Tagen nach dem Waffenstillstand in Metzingen abspielten.<\/p>\n<h2>Mitglied beim AKS<\/h2>\n<p>Atema war ein guter Beobachter, der zwischen den einfachen B\u00fcrgern der Kelternstadt und den Anh\u00e4ngern der NS-Ideologie \u202fdifferenzierte. \u201eDer Hass, den ich auf die deutschen Besatzer in den Niederlanden hegte, ist geschwunden\u201c, schreibt er beispielsweise im M\u00e4rz 1945 in sein Tagebuch. Wenn er sonntags mit seinen Freunden \u00fcber die Alb wandere oder durch die D\u00f6rfer gehe und Arbeitskollegen aus der Fabrik begegne, \u201ewerden wir immer eingeladen und bekommen Kuchen und Obst, und man erz\u00e4hlt uns von fr\u00fcher\u201c. Die Zeit vor dem Ersten Weltkrieg werde als die beste empfunden, vertraut er seinem Tagebuch an.<\/p>\n<p>\u201eDas System und die Machthaber waren f\u00fcrchterlich, nicht aber der sogenannte kleine Mann und der einfache Soldat\u201c, sagte er r\u00fcckblickend in einem 1988 gef\u00fchrten Zeitungsinterview. In jenem Jahr war er einmal mehr zu Besuch in Metzingen und trat bei dieser Gelegenheit in den Arbeitskreis Stadtgeschichte ein, dessen 100. Mitglied er wurde.<\/p>\n<h2>Einige brenzlige Situationen<\/h2>\n<p>Geschichte, erz\u00e4hlte er damals, habe ihn einfach schon immer interessiert. Geschichte hat er indessen auch selbst geschrieben: Denn der junge Holl\u00e4nder wurde im Fr\u00fchjahr 1945 f\u00fcr kurze Zeit zu einem der einflussreichsten M\u00e4nner in der Kelternstadt. Gemeinsam mit einem Freund vermittelte er zwischen den Alliierten, den Zwangsarbeitern verschiedenster Nationalit\u00e4t, die seinerzeit in Metzingen lebten, und den Deutschen.<\/p>\n<p>Dabei sah sich der junge Mann einigen brenzligen Situation gegen\u00fcber, immer wieder drohte eine Eskalation der Gewalt. Den Einzug der franz\u00f6sischen Truppen in Metzingen erlebte er am 2. Mai gemeinsam mit dem damaligen B\u00fcrgermeister Otto Dipper im Rathaus. Schon zuvor hatten sich viele Nazis abgesetzt.<\/p>\n<p>In einem Heuschuppen entdeckte Atema beispielsweise eine abgelegte SA-Uniform aus feinstem Stoff. \u201eSollte das die Uniform des Ortsgruppenleiters Rath sein?\u201c, fragt er sich in seinem Tagebuch. War also jener Mann einfach sang- und klanglos geflohen, der Atema noch kurz zuvor mit dem Tode bedroht hatte und vor dem sich nicht nur die holl\u00e4ndischen Zwangsarbeiter f\u00fcrchteten?<\/p>\n<p>Das gefundene Hemd nahm Atema mit zu sich nach Hause, sein Wirtin indes verbrannte es flugs im Kellerofen, zusammen mit ihrem Hitlerbild und aller Naziliteratur. Auch aus der Stadtpolitik verabschiedeten sich die Parteibonzen, wie Atema die NS-Nomenklatura bezeichnet, kurz vor Kriegsende. Die Herren setzten sich ab, das Schicksal Metzingens lag damit in der Hand von B\u00fcrgermeister Dipper und einem Polizeileutnant namens Siegel. \u201eIn unseren Augen war Dipper immer menschlich und vern\u00fcnftig gewesen\u201c, so Atema. Und \u201eLeutnant Siegel hatten wir einmal in einer christlichen Erbauungsstunde im Keller von B\u00e4cker Euchner getroffen\u201c.<\/p>\n<h2>Erde aus Metzingen<\/h2>\n<p>Seine Zeit in Metzingen habe ihn sehr gepr\u00e4gt, erinnerte sich Atema Jahrzehnte sp\u00e4ter. Missen wolle er jene Jahre aber keinesfalls, da er gerne an viele Menschen zur\u00fcckdenke, die er damals kennengelernt habe. W\u00e4hrend seiner Zeit als Zwangsarbeiter war der Holl\u00e4nder \u00fcberwiegend privat untergebracht und wurde in den Firmen, in denen er arbeitet, offenbar gut behandelt. \u201eVerglichen mit dem Elend, das \u00fcberall in Europa herrschte, konnte ich mich kaum beschweren\u201c, sagte er 1988 anl\u00e4sslich seines Besuchs in Metzingen, bei dem er auch Erde aus der Stadt mit nach Hause nahm, um diese in seinem Blumenbeet auszustreuen.<\/p>\n<p>F\u00fcr seine gro\u00dfen Verdienste um seine niederl\u00e4ndische Heimat schlug ihn K\u00f6nigin Beatrix in den 1980er Jahren zum \u201eRitter im Orden von Oranien Nassau\u201c. Im Mai 1991 starb Harmen Atema, der sich stets als Freund Metzingens empfunden hatte. Am 30. November w\u00e4re er 100 Jahre alt geworden.<\/p>\n<div id=\"attachment_3021\" style=\"width: 1010px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/www.aks-metzingen.eu\/aks\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/261659636_305267298124543_6066469618994776266_n.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-3021\" class=\"wp-image-3021 size-full\" src=\"http:\/\/www.aks-metzingen.eu\/aks\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/261659636_305267298124543_6066469618994776266_n.jpg\" alt=\"\" width=\"1000\" height=\"664\" srcset=\"https:\/\/www.aks-metzingen.eu\/aks\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/261659636_305267298124543_6066469618994776266_n.jpg 1000w, https:\/\/www.aks-metzingen.eu\/aks\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/261659636_305267298124543_6066469618994776266_n-300x199.jpg 300w, https:\/\/www.aks-metzingen.eu\/aks\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/261659636_305267298124543_6066469618994776266_n-768x510.jpg 768w, https:\/\/www.aks-metzingen.eu\/aks\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/261659636_305267298124543_6066469618994776266_n-452x300.jpg 452w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-3021\" class=\"wp-caption-text\">Das Bild aus dem Jahr 1991 zeigt die Bl\u00fctenpracht der von Harmen Atema im Jahr 1990 der Stadt Metzingen als Geschenk \u00fcberreichten 1500 Tulpenzwiebel, die bei der Eisenbahnbr\u00fccke eingepflanzt wurden.<\/p><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dieser Beitrag wird mit freundlicher Genehmigung der S\u00fcdwest Presse ver\u00f6ffentlicht. 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