{"id":1749,"date":"2016-12-17T23:06:49","date_gmt":"2016-12-17T22:06:49","guid":{"rendered":"http:\/\/www.aks-metzingen.eu\/aks\/?p=1749"},"modified":"2016-12-17T23:06:36","modified_gmt":"2016-12-17T22:06:36","slug":"reden-zur-ausstellung-voices-and-choices-im-metzinger-rathaus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.aks-metzingen.eu\/aks\/reden-zur-ausstellung-voices-and-choices-im-metzinger-rathaus\/","title":{"rendered":"Reden zur Ausstellung &#8222;Voices and Choices&#8220; im Metzinger Rathaus (aktualisiert)"},"content":{"rendered":"<p>Als Nachtrag zur Ausstellung \u00fcber den Ersten Weltkrieg, die vom 7. bis 15. November im Metzinger Rathaus stattgefunden hat, sind\u00a0 im Folgenden die Er\u00f6ffnungsreden aufgef\u00fchrt. Die Rede von Ian Emmerson ist jetzt auch enthalten.<!--more--><\/p>\n<p><em>Rolf Bidlingmaier, Stadtarchivar<\/em><\/p>\n<p><strong>Einf\u00fchrung bei der Er\u00f6ffnung der Ausstellung Kriegserfahrungen. Der Erste Weltkrieg in Hexham, Noyon und Metzingen am 7. November 2016<\/strong><\/p>\n<p>Sehr geehrte Damen und Herren,<\/p>\n<p>der Erste Weltkrieg stellt in der j\u00fcngeren europ\u00e4ischen Geschichte eine tiefe Z\u00e4sur dar. Er steht am Ende einer fast 50 Jahre w\u00e4hrenden Friedenszeit. Vor allem die Jahre nach 1900 waren eine Zeit prosperierenden Wachstums, was heute noch an den pr\u00e4chtigen Bauten aus dieser Zeit ablesbar ist. Diese Entwicklung wurde im August 1914 mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs j\u00e4h unterbrochen \u2013 und dies f\u00fcr lange Zeit. Der britische Au\u00dfenminister Edward Grey sollte Recht behalten mit seinem Bemerkung am Abend des 3. August 1914: \u201eIn ganz Europa gehen die Lichter aus, und wir werden sie in unserem Leben nie wieder leuchten sehen.\u201c<br \/>\nErst nach dem Zweiten Weltkrieg, nach 1945, kam es in Europa zu einer vergleich\u00adbaren Friedenszeit mit prosperierender wirtschaftlicher Entwicklung, die in unserem Land auch als Wirtschaftswunder bezeichnet wird.<\/p>\n<p>Unter diesem Blickwinkel leitet der mehr als vier Jahre w\u00e4hrende Erste Weltkrieg, der von manchen Historikern als \u201edie Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts\u201c bezeichnet wird, eine mehr als 30 Jahre dauernde Phase politischer Instabilit\u00e4t in Europa ein. Der am Ende des Ersten Weltkriegs stehende Versailler Vertrag legte den Grundstein f\u00fcr den n\u00e4chsten Krieg. Adolf Hitler und die Nationalsozialisten h\u00e4tten ohne den Ersten Weltkrieg wohl keine Chance zur Etablierung einer Diktatur in Deutschland gehabt. Somit gibt es durchaus Verbindungslinien zwischen dem Ersten und dem Zweiten Weltkrieg.<\/p>\n<p>Es \u00fcberrascht noch heute, mit welcher Leichtfertigkeit die f\u00fchrenden Politiker und Milit\u00e4rs Europa im August 1914 in einen Krieg st\u00fcrzten. Eigentlich wollte keiner, abgesehen von einigen Milit\u00e4rs, ernsthaft einen Weltkrieg, andererseits engagierte sich jedoch auch keiner ernsthaft f\u00fcr den Frieden. Man lie\u00df die Dinge treiben. Christopher Clark ist in seiner Einsch\u00e4tzung durchaus Recht zu geben, dass hier Schlafwandler unterwegs waren. In Europa gab es damals gro\u00dfe Interessengegens\u00e4tze. Der Vielv\u00f6lkerstaat \u00d6sterreich-Ungarn sah durch den Natio\u00adnalismus der slawischen V\u00f6lker seine Existenz in Frage gestellt. Russland unterst\u00fctzte die panslawische Bewegung in Ost- und S\u00fcdosteuropa. Deutschland f\u00fchlte sich durch das Milit\u00e4r\u00adb\u00fcndnis Frankreich-England-Russland eingekreist. Frankreich arbeitete immer noch auf die Revanche f\u00fcr die Niederlage von Siebziger Krieg hin und die damalige Weltmacht England nahm Deutschland vor allem als wirtschaftliche Konkurrenz wahr. Selbst nach der Ermordung des \u00f6sterreichischen Thronfolgerpaares Ende Juni 1914 in Sarajewo durch einen serbischen Nationalisten lief keineswegs alles sofort auf einen Krieg zu. Doch Tag um Tag versch\u00e4rfte sich die Krise. Und mit der Kriegserkl\u00e4rung \u00d6sterreichs-Ungarns an Serbien und der unbedingten B\u00fcndnistreue Deutschlands zu \u00d6sterreich-Ungarn trugen diese beiden Staaten in erheblichem Ma\u00dfe zum Kriegsausbruch bei. Aber auch Russland, Frankreich und England sorgten aus ihren Interessen heraus f\u00fcr eine Versch\u00e4rfung der Krise, die schlie\u00dflich zum Krieg f\u00fchrte. Insofern waren alle f\u00fcnf Staaten am Ausbruch des Ersten Weltkriegs beteiligt.<\/p>\n<p>Alle erhofften sich durch den Krieg Vorteile \u2013 und keiner wusste, was ein Krieg mit modernen Waffen tats\u00e4chlich bedeutete. Am wenigsten die M\u00e4nner, f\u00fcr die sich mit dem Kriegsausbruch Anfang August 1914 das Leben von einem auf den anderen Tag total ver\u00e4nderte. Sehr sch\u00f6n illustrieren dies die Postkarten, die mein Gro\u00dfvater meiner Gro\u00dfmutter im Juli und August 1914 schrieb, aus denen ich hier ein paar S\u00e4tze zitieren m\u00f6chte. Sie stehen zugleich f\u00fcr all jene, die in Hexham, Noyon und Metzingen mit der Generalmobilmachung zu den Waffen gerufen wurden. Am 27. Juli 1914, das war ein Sonntag, besuchte mein Gro\u00dfvater als Turner zusammen mit einigen Kameraden das Verbandsturnfest des Schw\u00e4bischen Turn- und Spielverbandes in Kornwestheim, wie eine Postkarte an meine Gro\u00dfmutter belegt. Elf Tage sp\u00e4ter, am 7. August 1914, befand er sich bereits auf dem Weg an die Front. Aus Stuttgart schrieb er: \u201eM\u00f6chte Dir mitteilen, da\u00df ich heute Freitag Nachmittag abgereist bin in Feindesland, wohin wei\u00df ich bis jetzt noch nicht. M\u00f6chte noch einmal ade zu Dir sagen.\u201c Die Fahrt mit den Kameraden im Zug ging \u00fcber M\u00fchlacker, Mannheim, Saarbr\u00fccken nach Thionville in Lothringen. Am Abend des 7. August schrieb er aus M\u00fchlacker: \u201eWenn es nur so bliebe, denn da ist es lustig, aber es wird anders werden.\u201c Seine Vorahnung trog nicht. Ja, es wurde anders, und zwar so, wie es sich zu diesem Zeitpunkt noch keiner der ausmarschierenden Soldaten vorstellen konnte. Auf dem Vormarsch kam es ab dem 22. August zu teilweise erbitterten Gefechten mit den Franzosen. Zahlreiche Kameraden fielen. Aufgrund des Vormarsches gab es in den ersten beiden Kriegsmonaten die h\u00f6chsten Tagesverluste an Soldaten im gesamten Ersten Weltkrieg \u2013 mehr als in Verdun oder an der Somme. Vor allem durch den erstmaligen Einsatz von Maschinengewehren im Krieg wurden allein am 22. August bei Gefechten 27 000 franz\u00f6\u00adsische Solda\u00adten get\u00f6tet. Innerhalb von anderthalb Monaten, bis Ende September 1914, verloren die Deutschen 373 000 Mann und die Franzosen 329 000 Mann. Hinzu kamen die Verluste der Briten, die bis November 1914 89 000 Mann betrugen. Das sind Zahlen, die au\u00dferhalb unseres Vorstellungsverm\u00f6gens liegen. Und es waren nur die Verluste an der Westfront. Es gab auch noch eine\u00a0 Ostfront, die sich von Ostpreu\u00dfen \u00fcber Galizien und die Karpaten bis nach Serbien hinzog. Nachdem keine der beiden Seiten ihr Ziel erreichen konnte, kam der deutsche Vormarsch im Westen im Herbst 1914 zum Stillstand. Es folgten ein m\u00f6rderischer Stellungskrieg und Materialschlachten, f\u00fcr die Schlacht um Verdun und die Schlacht an der Somme stehen, die vor 100 Jahren, im Jahr 1916, stattfanden. Materialmangel und der Kriegseintritt der USA f\u00fchrten Ende 1918 schlie\u00dflich zu einer Entscheidung des Kriegs zugunsten der Westm\u00e4chte.<\/p>\n<p>Die Auswirkungen des Ersten Weltkriegs auf Hexham, Noyon und Metzingen waren einerseits \u00e4hnlich und andererseits sehr unterschiedlich. \u00c4hnlich in dem Sinne, dass in allen drei St\u00e4dten junge M\u00e4nner als Soldaten eingezogen und den schrecklichen Erlebnissen an der Front ausgesetzt wurden. Viele kehrten nicht mehr zur\u00fcck. Zuhause bangten die Angeh\u00f6rigen um sie. Lediglich in Hexham gab bereits die M\u00f6glichkeit, den Kriegsdienst zu verweigern. Das Schicksal, die Erlebnisse der einzelnen Soldaten stehen im Mittelpunkt der heute zu er\u00f6ffnenden Ausstellung.<br \/>\nEs sind bedr\u00fcckende Zeugnisse und sie handeln h\u00e4ufig davon, wie der Gegner umgebracht wurde und die eigenen Kameraden ums Leben kamen. Sterben war an der Tagesordnung. Viele Soldaten konnten ihre Erlebnisse psychisch nur schwer verarbeiten und k\u00e4mpften jeden Tag um das \u00dcberleben. Dabei machte es keinen Unterschied, ob dies Deutsche, Franzosen, Engl\u00e4nder, \u00d6sterreicher oder Russen waren.<\/p>\n<p>Kommen wir auf die Unterschiede zu sprechen. Dieser liegt vor allem darin, das Noyon im Gegensatz zu Hexham und Metzingen Frontstadt war und w\u00e4hrend des Krieges zu gro\u00dfen Teilen zerst\u00f6rt wurde. Metzingen und Hexham lagen hingegen fernab der Front. Metzingen war Lazarettstadt und hier machten sich im Lauf des Krieges vor allem Versorgungsschwierigkeiten bei Nahrungsmitteln, Brennstoffen und G\u00fctern des t\u00e4glichen Bedarfs bemerkbar.<\/p>\n<p>Der Erste Weltkrieg machte deutlich, dass der Krieg, anders als in fr\u00fcheren Zeiten, als Carl von Clausewitz den Krieg als Fortsetzung der Politik unter Einsatz anderer Mittel bezeichnet hatte, aufgrund der fortgeschrittenen technischen Entwicklung zu einem untauglichen Mittel geworden war, da die Verluste an Menschen und Material durch Massenvernichtungsmittel in keinem Verh\u00e4ltnis mehr zu Gewinnen irgendwelcher Art standen. Anstatt der erhofften Vorteile produzierte der Erste Weltkrieg nur Verlierer, kostete 9,5 Millionen Menschen das Leben, verursachte entlang der Fronlinien enorme Zerst\u00f6rungen und brachte entsetzliches Leid \u00fcber zahllose Familien. Von den vermeintlichen Siegern in Versailles wurde diese Botschaft noch nicht verstanden. Es musste erst noch der Zweite Weltkrieg \u00fcber Europa hinweggehen, bis die Verantwortlichen dies erkannten und Schritt f\u00fcr Schritt ein gemeinsames Europa aufbauten, das bei uns in den vergangenen 70 Jahren f\u00fcr Frieden gesorgt hat. Des halb muss die Devise lauten: Nie wieder Krieg. M\u00f6ge die Ausstellung \u00fcber den Ersten Weltkrieg hierzu einen Beitrag leisten.<\/p>\n<p><em>Ian Emmerson<\/em><\/p>\n<p>7th of November, 2016<br \/>\nFirst of all I would very much like to thank the mayor for inviting me to the<br \/>\nopening of Voices &amp; Choices Exhibition here in Metzingen, and allowing me to<br \/>\nsay a few words about it.<\/p>\n<p>An erster Stelle m\u00f6chte ich mich beim B\u00fcrgermeister der Stadt<br \/>\nMetzingen f\u00fcr die Einladung zur Er\u00f6ffnung der Ausstellung Voices and<br \/>\nChoices hier in Metzingen bedanken und f\u00fcr die M\u00f6glichkeit auch noch<br \/>\neinige Worte zur Ausstellung selbst zu sagen.<\/p>\n<p>My name is Ian Emmerson and I&#8217;m one of the six Quakers in Hexham who<br \/>\nbrought this project to fruition. It has already run for two weeks at the beginning<br \/>\nof this year in your twin town of Hexham, as well as for a week in the cathedral<br \/>\nin Newcastle, and will also be shown in January 2017 in Noyon.<\/p>\n<p>Ich hei\u00dfe Ian Emmerson und bin einer der sechs Qu\u00e4ker in Hexham, die<br \/>\ndiese Ausstellung auf den Weg gebracht haben. Sie war Anfang des<br \/>\nJahres schon zwei Wochen lang in Ihrer Partnerstadt Hexham zu sehen<br \/>\nund eine Woche lang in der Kathedrale von Newcastle; im Januar 2017<br \/>\nwird sie in Noyon zu sehen sein.<\/p>\n<p>I would now like to say something about how our small group of Quakers came<br \/>\nto prepare this exhibition. First of all a note about Quakers:<\/p>\n<p>Nun m\u00f6chte ich kurz dar\u00fcber berichten, was unseren kleinen Kreis von<br \/>\nQu\u00e4kern zu dieser Ausstellung motivierte. Zun\u00e4chst jedoch ein paar<br \/>\nWorte \u00fcber die Qu\u00e4ker selbst.<\/p>\n<p>Quakerism came into being around 1652 in the turbulent times after the English<br \/>\nCivil War. Their founder George Fox (born 1621 into a Christian family) was<br \/>\ndeeply unsatisfied with the corruption in the church at that time and believed<br \/>\nthat people could know God as a personal experience better without priests.<\/p>\n<p>Die Qu\u00e4ker-Bewegung geht in etwa auf das Jahr 1652 zur\u00fcck \u2013 eine<br \/>\nsehr bewegte Zeit nach dem Ende des Englischen B\u00fcrgerkriegs (1642-<br \/>\n1651). Ihr Gr\u00fcnder war George Fox, der im Jahr 1621 als Sohn einer<br \/>\nchristlichen Familie geboren wurde und der mit den Missst\u00e4nden in der<br \/>\nKirche damals h\u00f6chst unzufrieden war; er glaubte, dass die Menschen<br \/>\nGott in Form einer pers\u00f6nlichen Erfahrung ohne Priester besser<br \/>\nerkennen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>He travelled the land, particularly in the North of England and got a great<br \/>\nfollowing. He believed that belief in God and warfare were completely<br \/>\nincompatible. Many Quakers today still have a strong testimony to pacifism.<\/p>\n<p>George Fox reiste durchs Land, besonders durch das n\u00f6rdliche England,<br \/>\nund hatte bald viele Anh\u00e4nger. Es war seine \u00dcberzeugung, dass der<br \/>\nGlaube an Gott und Kriegshandlungen ganz und gar nicht zusammen<br \/>\npassen. Viele Qu\u00e4ker verpflichten sich auch heute noch dezidiert dem<br \/>\nPazifismus.<\/p>\n<p>The Quakers were sorely persecuted until the Act of Toleration in 1689. Indeed<br \/>\nit was said that at one point in their early history, the children carried on the<br \/>\nmeetings, as most of the parents were in prison!<\/p>\n<p>Die Qu\u00e4ker waren bis zur Toleranzakte von 1689 heftigen Verfolgungen<br \/>\nausgesetzt. Man hat gesagt, dass es in der Fr\u00fchzeit der Bewegung eine<br \/>\nZeit gab, in der die Kinder f\u00fcr die Versammlungen zust\u00e4ndig waren, da<br \/>\ndie meisten Eltern im Kerker waren.<\/p>\n<p>Even much later, Quakers were not allowed to go to university or hold<br \/>\nprofessional posts, but were very successful in trade at the time of the industrial<br \/>\nrevolution, developing the railways and many of the banks in England from the<br \/>\nlate 18th century and early 19th Century. At around this time, Quakers also made<br \/>\nsubstantial contributions to the abolition of slavery, the proper care of mental<br \/>\nhealth patients, and prison reform.<\/p>\n<p>Noch viele Jahre sp\u00e4ter konnten sich Qu\u00e4ker nicht an der Universit\u00e4t<br \/>\nimmatrikulieren oder wichtige \u00c4mter bekleiden. Jedoch waren sie zur<br \/>\nZeit der industriellen Revolution sehr erfolgreiche Kaufleute; sie trieben<br \/>\nden Bau der Eisenbahn voran und gr\u00fcndeten im Zeitraum des 18. und<br \/>\nfr\u00fchen 19. Jahrhunderts viele der englischen Banken. In der gleichen<br \/>\nZeit setzten sich die Qu\u00e4ker intensiv f\u00fcr die Abschaffung der Sklaverei<br \/>\nein, wie auch f\u00fcr die Pflege von psychisch Kranken und die Reform des<br \/>\nGef\u00e4ngniswesens ein.<\/p>\n<p>There are only about 17,000 Quakers in the UK and the main tenets of Quaker<br \/>\nethos, based on Christian ideals, are peace, a commitment to truth, equality of<br \/>\nall people regardless of race, religion or gender; also, living a simple life<br \/>\nwithout excess and finding &#8218;what love requires of us&#8216;.<\/p>\n<p>Im Vereinigten K\u00f6nigreich gibt es lediglich etwa 17.000 Qu\u00e4ker; die<br \/>\nHauptgesichtspunkte des Ethos der Qu\u00e4ker, das auf den Idealen des<br \/>\nChristentums basiert, sind der Friede, die Verpflichtung zur Wahrheit, die<br \/>\nGleichheit aller Menschen ungeachtet ihrer Rasse, ihrer Religion oder<br \/>\nihres Geschlechts. Daneben sind noch eine einfache Lebensweise ohne<br \/>\nAusschweifungen zu nennen und die Suche nach dem, was das Gebot<br \/>\nder Liebe von uns verlangt.<\/p>\n<p>No more than 30 people attend our Quaker meeting in Hexham each Sunday<br \/>\nmorning. The hour&#8217;s worship may be entirely in silence, although anyone may<br \/>\nstand and speak if moved by the Spirit to do so.<\/p>\n<p>Nicht mehr als 30 Leute kommen an jedem Sonntagmorgen zu den<br \/>\nVersammlungen der Qu\u00e4ker in Hexham. Der Gottesdienst von einer<br \/>\nStunde Dauer kann in aller Stille erfolgen, wobei jedoch sich jeder der<br \/>\nAnwesenden erheben und sprechen kann, wenn der Heilige Geist ihn<br \/>\ndazu bewegt hat.<\/p>\n<p>During 2013, out of this silence and through listening to each other, came a<br \/>\nconcern and desire to prepare this exhibition. At that time in the UK, many<br \/>\nevents commemorating the 100 year anniversary of WW1 had been planned.<br \/>\nThese invariably were to be from an historical and military standpoint, which<br \/>\ngenerally assume that the resolution of international disputes through force is<br \/>\ninevitable.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend des Jahres 2013 sind aus dieser Stille und dem einander<br \/>\nZuh\u00f6ren das Anliegen und der Wunsch erwachsen, diese Ausstellung<br \/>\nvorzubereiten. Damals waren im Vereinigten K\u00f6nigreich viele<br \/>\nVeranstaltungen zum Gedenken des 100. Jahrestags des Ersten<br \/>\nWeltkriegs geplant. Die jeweilige Perspektive war ausnahmslos eine<br \/>\nmilit\u00e4rische oder historische und beiden liegt der Gedanke zugrunde,<br \/>\ndass die L\u00f6sung internationaler Auseinandersetzungen nur mit Gewalt<br \/>\nm\u00f6glich ist.<\/p>\n<p>Our Quaker concern wished to create an exhibition in another vein entirely: not<br \/>\nin any way as a military history, but rather to let the stories from the three towns<br \/>\ngive a realistic picture of how the war was experienced by people living there;<br \/>\nthereby to bring the events to life. We further sought to explore the choices<br \/>\nfaced by those individuals in their different local contexts.<\/p>\n<p>Das Anliegen von uns Qu\u00e4kern war es, eine Ausstellung zu schaffen, die<br \/>\nvon einem ganz anderen Ansatz ausgeht: keinesfalls aus<br \/>\nmilit\u00e4rhistorischer Sicht; vielmehr sollte es darum gehen, dass aus den<br \/>\nBerichten der drei St\u00e4dte ein realistisches Bild des Ersten Weltkriegs aus<br \/>\nder Sicht ihrer B\u00fcrger entsteht und so die Ereignisse lebendig werden.<br \/>\nUns ging es auch darum, den Optionen und Entscheidungen, vor denen<br \/>\ndiese Individuen in ihrem jeweiligen \u00f6rtlichen Kontext standen,<br \/>\nnachzugehen.<\/p>\n<p>It transpired that many had made brave choices, even though some had more<br \/>\nlimited options than others. For instance in Britain there had been about 16,000<br \/>\nconscientious objectors, many of whom had been Quakers or from other faith<br \/>\ngroups. This was not an option that was really available in Metzingen or Noyon.<br \/>\nHence the name &#8218;Voices &amp; Choices&#8216;, which also makes visitors to the exhibition<br \/>\nthink about how they might respond and choose if a similar situation arose for<br \/>\nthem.<\/p>\n<p>Es stellte sich dabei heraus, dass viele mutige Entscheidungen getroffen<br \/>\nhatten, wenngleich die Optionen unterschiedlich verteilt waren. So gab<br \/>\nes in Britannien etwa 16 000 Kriegsdienstverweigerer aus<br \/>\nGewissensgr\u00fcnden, von denen viele den Qu\u00e4kern oder anderen<br \/>\nReligionsgemeinschaften angeh\u00f6rten. Dies war eine Option, die es in<br \/>\nMetzingen oder Noyon nicht gab. Aus diesen \u00dcberlegungen erwuchs<br \/>\nauch der Name der Ausstellung \u201aVoices and Choices \u2013 Stimmen und<br \/>\nOptionen\u2018 und dieser Name soll Besucher der Ausstellung dazu anregen,<br \/>\nsich zu \u00fcberlegen, wie sie sich entscheiden und in einer \u00e4hnlichen<br \/>\nSituation handeln w\u00fcrden.<\/p>\n<p>At the end of their visit to the exhibition in Hexham, both adults and children,<br \/>\nwere encouraged to write down their thoughts on notes which were pinned on a<br \/>\nboard. A myriad of impressions ensued.<\/p>\n<p>Am Ende des Besuchs der Ausstellung in Hexham wurden sowohl<br \/>\nErwachsene als auch Jugendliche dazu ermuntert, ihre Gedanken auf<br \/>\nNotizzetteln festzuhalten, die an einer Tafel zum Aushang kamen. Dies<br \/>\nf\u00fchrte zu einer Vielzahl von Eindr\u00fccken.<\/p>\n<p>I hope that visitors here will also be interested in the details and the stories, but<br \/>\nalso challenged by the deeper issues raised.<\/p>\n<p>Ich hoffe, dass Besucher der Ausstellung in Metzingen sich auch f\u00fcr die<br \/>\nEinzelheiten und Berichte interessieren, jedoch auch von der tieferen<br \/>\nBedeutung der Exponate zum Nachdenken herausgefordert werden.<\/p>\n<p>For me personally, WW1 was a tragedy but even worse was the complete failure<br \/>\nof the peace (Versailles), that led all too soon to the next war. However, the<br \/>\ngenerosity of spirit after 1945 (Marshall Plan) produced a complete change of<br \/>\nfortune for Europe which we have all benefited from and enjoyed in many ways<br \/>\nincluding our many wonderful friendships through our town twinning<br \/>\nconnections.<\/p>\n<p>F\u00fcr mich selbst war der Erste Weltkrieg eine Trag\u00f6die \u2013 aber noch<br \/>\nschlimmer war der totale Misserfolg des Friedens (Versailler Vertrag),<br \/>\nder nur allzu schnell zum n\u00e4chsten Krieg f\u00fchrte. Jedoch war es die<br \/>\nGro\u00dfz\u00fcgigkeit nach 1945 in Form des Marshallplans, die in Europa zu<br \/>\neinem Umschwung f\u00fchrte, von dem wir alle profitiert und an dem wir uns<br \/>\nalle auf vielf\u00e4ltige Weise erfreut haben und unsere wundervollen<br \/>\nFreundschaften auf der Basis der st\u00e4dtepartnerschaftlichen<br \/>\nBeziehungen sind ein Teil davon.<\/p>\n<p>Brexit and a deplorable attitude towards &#8218;Others&#8216;, in the UK and other countries,<br \/>\nsadly seems to be a step in the wrong direction at the present time, although<br \/>\nGermany has given us all a better example. Quaker ideals and the view of<br \/>\nhistory occasioned by this exhibition, confirm to me that, on every level, it is<br \/>\nonly through that generosity of spirit and love of &#8218;the other&#8216; that life moves<br \/>\nforward.<\/p>\n<p>Der Brexit und eine beklagenswerte Haltung gegen\u00fcber Anderen, im<br \/>\nVereinigten K\u00f6nigreich wie auch in anderen L\u00e4ndern, stellt bedauerlicher<br \/>\nWeise in unseren Tagen einen Schritt in die falsche Richtung dar, selbst<br \/>\nwenn Deutschland uns allen ein besseres Beispiel gegeben hat. Die<br \/>\nIdeale der Qu\u00e4ker und der Blick auf die Geschichte, wie ihn diese<br \/>\nAusstellung erm\u00f6glicht, best\u00e4tigen f\u00fcr mich, in jeder Hinsicht, dass<br \/>\nlediglich Gro\u00dfz\u00fcgigkeit und N\u00e4chstenliebe unser Leben nach vorne<br \/>\nbringen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Finally, I can state categorically, that whatever the future holds in a turbulent<br \/>\nworld, all whom I represent today know that our friendship and understanding<br \/>\nwith our German and French colleagues are crucially important aspects of our<br \/>\nlives, and always will be.<\/p>\n<p>Zum Schluss kann ich nur kategorisch feststellen, dass, was immer die<br \/>\nZukunft in einer turbulenten Welt f\u00fcr uns bereit halten mag, alle, f\u00fcr die<br \/>\nich hier stehe, wissen, dass unsere Freundschaft und unser Verst\u00e4ndnis<br \/>\nf\u00fcr unsere deutschen und franz\u00f6sischen Mitmenschen von<br \/>\ngrundlegender Bedeutung f\u00fcr unser Leben sind \u2013 und dies immer sein<br \/>\nwerden.<\/p>\n<p><em>Dr. Fritz Kemmler<\/em><\/p>\n<p><strong>Voices and Choices in Metzingen (7.11.2016)<\/strong><br \/>\nSehr geehrte Frau B\u00fcrgermeisterin Lohde, dear Ian, meine Damen und Herren!<br \/>\nVersetzen wir uns zur\u00fcck in die sp\u00e4ten Abendstunden des 7. November 1916 und stellen wir uns vor, wir w\u00e4ren in der Redaktion, in der die Berichte von den Ereignissen an den<br \/>\neinzelnen Frontabschnitten f\u00fcr den Heeresbericht redigiert werden. F\u00fcr die f\u00fcr diesen Bericht damals Verantwortlichen wahrlich keine einfache Entscheidung!<br \/>\nWenn wir uns mit der Westfront, dem Thema der Ausstellung, besch\u00e4ftigen, dann vermeldet die Stimme des Deutschen Heeresberichtes unter anderem die folgenden Ereignisse:<br \/>\nGro\u00dfes Hauptquartier, 7. November.<br \/>\nWestlicher Kriegsschauplatz:<br \/>\nHeeresgruppe Kronprinz Rupprecht: Trotz der deutlich erkennbaren Absicht der Engl\u00e4nder, ihre Angriffe gestern fortzusetzen, gelang es ihnen doch nur \u00f6stlich von Eaucourt l\u2019Abbaye, die Infanterie zum Verlassen der Gr\u00e4ben zu bringen; sie wurden sofort zur Umkehr gezwungen. Die englischen Verluste an Toten vom 5. November stellen sich besonders bei den australischen Divisionen als sehr bedeutend heraus. Auch die franz\u00f6sischen Angriffe \u00fcber das mit Gefallenen bedeckte Gel\u00e4nde sind nur in beschr\u00e4nktem Umfange zur Wiederholung gekommen. Sie erfolgten zwischen Lesboeufs und Rancourt abends und nachts und brachen meist schon in unserem Feuer zusammen. Ein deutsches Fliegergeschwader setzte durch n\u00e4chtlichen Bombenangriff das gro\u00dfe Munitionslager von Cerisy (an der Somme s\u00fcdwestlich von Bray) in Brand; die langandauernden, m\u00e4chtigen Detonationen waren bis nach St. Quentin f\u00fchlbar.<\/p>\n<p>Ganz anders die Stimme des britischen Heeresberichtes f\u00fcr den 7. November 1916:<\/p>\n<p>Western Front<br \/>\nBritish progress east of Butte de Warlencourt and repulse German night attack west of Beaumont Hamel (north of the Ancre). French capture Ablaincourt and Pressoir, and advance to outskirts of Gomiecourt. <em>(firstworldwar.com)<\/em><\/p>\n<p>Keine dieser beiden Stimmen geht mit Bedauern auf Tod und Zerst\u00f6rung ein, auf Verwundung und Leiden. Die Stimme des Deutschen Heeresberichtes signalisiert eher eine gewisse Begeisterung \u00fcber die angerichteten Zerst\u00f6rungen und sog. ,milit\u00e4rischen Erfolge\u2018.<br \/>\nWie anders im Vergleich zu diesen offiziellen Stimmen doch das Zeugnis jener privaten Stimmen, das uns diese Ausstellung vermittelt. Diese Stimmen sprechen das vielf\u00e4ltige Leiden und die harten Entbehrungen in aller Deutlichkeit an, reden von Toten und Verwundeten, von Hunger und Durst, von Furcht und Schrecken \u2013 aber auch von Wehrdienstverweigerung und Sanit\u00e4tsdienst. Zieht man noch zwei weitere Stimmen heran, dann f\u00fcgen sich diese in das, was die Ausstellung vermittelt, sehr gut ein. Es sind dies die Stimmen zweier englischer Dichter aus dem Ersten Weltkrieg \u2013 Siegfried Sassoon (1886\u20131967) und Wilfred Owen (1893\u20131918). Auch in ihren Gedichten wird das Leiden und Sterben an der Front deutlich, werden die Schrecken des Stellungskrieges und das furchtbare Granatfeuer eindringlich und einpr\u00e4gsam dargestellt.<br \/>\nSiegfried Sassoon und Wilfred Owen pr\u00fcften am Beginn des Ersten Weltkriegs ihre Optionen. Sie trafen eine wichtige Entscheidung und meldeten sich freiwillig zum Kriegsdienst; sie erlebten die Schrecken des modernen Stellungskrieges, des Granatfeuers und der Gasangriffe. Siegfried Sassoon \u00fcberlebte den Ersten Weltkrieg, Wilfred Owen starb eine Woche vor dem Waffenstillstand bei einem Gefecht am Canal de la Sambre \u00e0 l\u2019Oise. Die Erfahrungen an der Front f\u00fchrten bei beiden dazu, dass die anf\u00e4ngliche Begeisterung f\u00fcr den Krieg einem Entsetzen \u00fcber dessen Schrecken und Sinnlosigkeit wich \u2013 ein wichtiger Grund f\u00fcr beide, nochmals \u00fcber ihre Optionen nachzudenken.<\/p>\n<p>Die beiden Dichter lernten sich im Craiglockhart War Hospital bei Edinburgh kennen, wohin sie zur Behandlung ihres Front-Traumas geschickt worden waren. Sie schlossen Freundschaft und \u00fcberlegten, welche Optionen ihnen offen standen und wie sie ihre Stimme gegen den Krieg erheben k\u00f6nnten. Aus ihren ,Stimmen gegen den Krieg\u2018 wird ihre Ablehnung des Krieges auf der Basis der an der Front gemachten schrecklichen Erfahrungen \u00fcberaus deutlich. Ihre Gedichte, darunter auch einige Sonette, sind ein eindrucksvolles literarisches Zeugnis \u00fcber den Ersten Weltkrieg.<br \/>\nF\u00fcr meine Begleitworte zur Ausstellung habe ich zwei Sonette gew\u00e4hlt, das erste von Siegfried Sassoon, das zweite von Wilfred Owen.<br \/>\nDas Sonett von Sassoon, das den Titel ,Glory of Women\u2018 tr\u00e4gt, weist die Besonderheit auf, dass in ihm beide Seiten \u2013 Engl\u00e4nder und Deutsche \u2013 erw\u00e4hnt werden. Das Sonett verweist weniger auf die Schrecken des Krieges als auf die Hoffnungen und Erwartungen der zu Hause gebliebenen M\u00fctter und Frauen, die ihren S\u00f6hnen und M\u00e4nnern Ruhm und Ehre w\u00fcnschen und die Front in der Hoffnung auf den Sieg mit Granaten versorgen.<br \/>\nDie Botschaft des Sonetts entlarvt eben diese Hoffnungen als falsch, als in h\u00f6chstem Ma\u00dfe tr\u00fcgerisch, da in ihnen die Realit\u00e4t des Krieges ausgeblendet wird.<\/p>\n<p>\u2018Glory of Women\u2019 \u2013 A Sonnet by Siegfried Sassoon<\/p>\n<p>You love us when we\u2019re heroes, home on leave,<br \/>\nOr wounded in a mentionable place.<br \/>\nYou worship decorations; you believe<br \/>\nThat chivalry redeems the war\u2019s disgrace.<br \/>\nYou make us shells. You listen with delight,<br \/>\nBy tales of dirt and danger fondly thrilled.<br \/>\nYou crown our distant ardours while we fight,<br \/>\nAnd mourn our laurelled memories when we\u2019re killed.<br \/>\nYou can\u2019t believe that British troops \u201cretire\u201d<br \/>\nWhen hell\u2019s last horror breaks them, and they run,<br \/>\nTrampling the terrible corpses \u2013 blind with blood.<br \/>\nO German mother dreaming by the fire,<br \/>\nWhile you are knitting socks to send your son<br \/>\nHis face is trodden deeper in the mud.<\/p>\n<p>Wilfred Owens Sonett tr\u00e4gt den Titel ,Anthem for Doomed Youth\u2018 und beklagt das sinnlose Dahinschlachten junger Soldaten auf den Feldern des Ersten Weltkriegs. Die Opfer dieses Krieges, so Owen, werden sogar noch um die letzte W\u00fcrde, die W\u00fcrde des Todes gebracht, die abseits der Front durch die Begr\u00e4bniszeremonie zum Ausdruck kommt und von dieser garantiert wird. All das ist auf dem Schlachtfeld, das eher ein Schlachthaus ist, nicht m\u00f6glich. Der Ton des Sonetts ist elegisch, jedoch auch zornig, und fordert eindringlich zum Nachdenken \u00fcber die grausame Realit\u00e4t des Krieges auf.<\/p>\n<p>\u2018Anthem for Doomed Youth\u2019 \u2013 A Sonnet by Wilfred Owen<\/p>\n<p>What passing-bells for these who die as cattle?<br \/>\n\u2013 Only the monstruous anger of the guns.<br \/>\nOnly the stuttering rifles\u2019 rapid rattle<br \/>\nCan patter out their hasty orisons.<br \/>\nNo mockeries now for them; no prayers nor bells;<br \/>\nNor any voice of mourning save the choirs, \u2013<br \/>\nThe shrill, demented choirs of wailing shells;<br \/>\nAnd bugles calling for them from sad shires.<br \/>\nWhat candles may be held to speed them all?<br \/>\nNot in the hands of boys, but in their eyes<br \/>\nShall shine the holy glimmers of good-byes.<br \/>\nThe pallor of girls\u2019 brows shall be their pall;<br \/>\nTheir flowers the tenderness of patient minds,<br \/>\nAnd each slow dusk a drawing-down of blinds.<\/p>\n<p>Auch einhundert Jahre nach der Entstehung dieser beiden Gedichte ist ihre Botschaft nach wie vor aktuell. M\u00f6ge sie uns als Mahnung dienen und als Appell, uns f\u00fcr den Frieden und die V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung einzusetzen!<\/p>\n<p><em>Rudolf Renz, 1. Vorsitzender des AKS-Geschichtsverein Metzingen<\/em><\/p>\n<p>Sehr geehrte Frau B\u00fcrgermeisterin Lohde, dear Ian, sehr geehrte Damen und Herren,<\/p>\n<p class=\"western\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">der Metzinger Karl Rudolph verfasste nach dem Krieg eine Chronik \u00fcber die Ereignisse in den Jahren 1914-1918. Er berichtet auch \u00fcber seine Schulzeit in diesen Jahren. Als er acht Jahre alt war, begann der Krieg. Dieser pr\u00e4gte nat\u00fcrlich auch den Schullalltag, Rudolph meint, die Schuljugend, die oft ohne Vater aufwuchs, sei im Krieg in einem gewissen Grade \u201eroh, frech und ehrfurchtslos gewesen\u201c. In den Klassenzimmern seien mit Maik\u00e4fern \u201eLuftk\u00e4mpfe\u201c ausgetragen worden und Raufereien unter der Schulbank seien als \u201eUnterseebootskrieg\u201c bezeichnet worden. Als an der Front der Gaskrieg begann, seien kleine \u201eStinkbomben\u201c durch das Klassenzimmer geflogen. Die acht- bis zw\u00f6lfj\u00e4hrigen Buben schienen ihren Spa\u00df zu haben und bekamen doch immer wieder die N\u00f6te und Sorgen des Krieges mit. Familienangeh\u00f6rige starben und die Verwundeten im Lazarett der Schlossstra\u00dfe blieben ihnen auch nicht verborgen. Sie hungerten wie alle anderen und waren von der Rohstoffknappheit betroffen, Rudolph schreibt: \u201eL\u00e4ngst liefen wir in Papieranz\u00fcgen oder rauhen Nesselstoffen herum, denn die Front fra\u00df was gut war! (\u2026) In den Lebensmittelgesch\u00e4ften standen wir stundenlang Schlange, denn ein paar Eier oder einige Gramm Butter wurden dort verteilt. Um ein Viertelpfund K\u00e4se zu erhalten, schlug man sich gerne ein halbe Stunde um die Ohren. Wie manches Hausm\u00fctterlein, das sich kaum noch auf den F\u00fc\u00dfen halten konnte, schleppte sich noch in die Stadt, um f\u00fcr den Haushalt noch irgendetwas Essbares aufzutreiben.\u201c Trotz dieser Erfahrungen war Rudolph sp\u00e4ter ein gl\u00fchender Anh\u00e4nger der Dolchsto\u00dflegende. Das zeigt auch eine von ihm angefertigte Zeichnung in seiner Chronik, die in der Ausstellung zu sehen ist. <\/span><\/p>\n<p class=\"western\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Meine Damen und Herren,<\/span><\/p>\n<p class=\"western\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">der 1. WK, die gro\u00dfe Vernichtungsmaschine, gilt als die Mutter des modernen Krieges. Dies machte auch Herr Bidlingmaier in seinem Vortrag deutlich. Der Krieg vernichtete fast eine komplette Generation der Jugend Europas und ver\u00e4nderte die Staatenordnung in Europa von Grund auf. Er vernichtete drei europ\u00e4ische Reiche: Deutschland, \u00d6sterreich-Ungarn und Russland. Mit dem Zusammenbruch des Osmanischen Reiches zerst\u00f6rte der WK auch ein viertes Reich am Rande Europas. Bis zu diesem \u201eGro\u00dfen Krieg\u201c lag das Zentrum des Gleichgewichts zw. den Weltm\u00e4chten in Europa. Danach stiegen die USA und Japan zu Weltm\u00e4chten auf. Der Krieg leitete die Bolschewistische Revolution von 1917 ein, ebnete den Weg zum Faschismus und verst\u00e4rkte die ideologischen Schlachten, die das 20. Jh. weiter verw\u00fcsteten.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">In den Jahre 1914 bis 1918 kam es zum ersten Mal zum starren, festgefahrenen Stellungskrieg \u2013 f\u00fcr einen Gel\u00e4ndegewinn von wenigen Kilometern mussten zehntausende Soldaten ihr Leben lassen. Erstmals wurden in einem Krieg chemische Kampfmittel eingesetzt und dabei der Tod von Hunderttausenden in Kauf genommen. Die Materialschlachten erreichten ungeheure Ausma\u00dfe. <\/span><\/p>\n<p class=\"western\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Es war ein Grauen ohne Ende. Hoch industrialisierte Staaten versuchten, unter r\u00fccksichtslosem Einsatz all ihrer wirtschaftlichen, technologischen und vor allem menschlichen Ressourcen, den Sieg zu erringen. Am Ende kostete dieser erste Welt umspannende Krieg vielen Millionen Soldaten und Zivilisten das Leben, machte unz\u00e4hlige heimatlos und verursachte unermessliches Leid.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Winston Churchill, im ersten Kriegsjahr britischer Marineminister, charakterisierte in seinem nach dem Krieg geschriebenen monumentalen Werk \u201eThe World Crisis 1911-1918\u201c die Kriegsjahre mit den Worten: \u201eWeder Waffenstillstand noch Verhandlungen milderten das Ringen der Armeen. Die Verwundeten krepierten zwischen den feindlichen Linien, die Toten d\u00fcngten die \u00c4cker (\u2026). Man gab sich jede M\u00fche, um ganze Nationen durch Hunger zur Unterwerfung zu zwingen. (\u2026) St\u00e4dte und Kulturdenkmale wurden von Artillerie zusammengeschossen, Bomben wurden wahllos abgeworfen. Giftgas erstickte oder verbrannte die Soldaten, fl\u00fcssiges Feuer vernichtete ihre K\u00f6rper (\u2026). Die Gr\u00f6\u00dfe der Heere war nur durch die Bev\u00f6lkerungszahl ihrer L\u00e4nder begrenzt. Europa und gro\u00dfe Teile Asiens und Afrikas verwandelten sich in ein einziges w\u00fcstes Schlachtfeld, auf dem nach Jahren des Kampfes nicht Armeen, sondern Nationen zerbrachen.\u201c<\/span><\/p>\n<p class=\"western\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Meine Damen und Herren, das 20. Jh., das ein britischer Historiker einmal als \u201eJh. der Extreme\u201c bezeichnet hat, und unsere Gegenwart stehen immer noch im Schatten dieses Krieges. Das zeigen nicht zuletzt die f\u00fcrchterlichen Ereignisse in Syrien und im Irak, die auf das Jahr 1916 zur\u00fcckgehen. Doch das ist ein anderes Kapitel.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Die Ausstellung kann uns nur eine Ahnung von dem damaligen Grauen vermitteln. Doch sie ist ein Ansto\u00df zum Nachdenken und l\u00e4sst uns dankbar daf\u00fcr sein, dass heute die Menschen von Hexham, Noyon und Metzingen Freunde sind. Der AKS dankt den Qu\u00e4kern in Hexham f\u00fcr die Konzeption und Realisierung der Ausstellung. Wir danken sehr, dass sie bereit waren, die Ausstellung auch bei uns zu zeigen. Ian Emmerson hat uns einen kurzen Bericht \u00fcber die Geschichte und das Anliegen der Qu\u00e4ker geschickt. Sie finden diesen auf der Website des AKS. <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"en-GB\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Dear Ian, thank you very much indeed for everything you have done. Please express our gratitude and send our kind regards to your friends at Hexham. <\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als Nachtrag zur Ausstellung \u00fcber den Ersten Weltkrieg, die vom 7. bis 15. November im Metzinger Rathaus stattgefunden hat, sind\u00a0 im Folgenden die Er\u00f6ffnungsreden aufgef\u00fchrt. 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