{"id":2265,"date":"2018-10-13T22:46:43","date_gmt":"2018-10-13T20:46:43","guid":{"rendered":"http:\/\/www.aks-metzingen.eu\/aks\/?p=2265"},"modified":"2018-10-13T22:46:43","modified_gmt":"2018-10-13T20:46:43","slug":"zur-geschichte-der-juden-in-wuerttemberg-ein-ueberblick","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.aks-metzingen.eu\/aks\/zur-geschichte-der-juden-in-wuerttemberg-ein-ueberblick\/","title":{"rendered":"Zur Geschichte der Juden in W\u00fcrttemberg \u2013 ein \u00dcberblick"},"content":{"rendered":"<h1>Hintergrundinformation zum Vortrag Eberhard Zacher am 12. September in der Stadtbibliothek<\/h1>\n<p>Schon im fr\u00fchen Mittelalter gab es j\u00fcdische Siedlungen auf dem Gebiet des heutigen Baden-W\u00fcrttemberg.<br \/>\nDas \u00e4lteste Zeugnis vom <strong>11. Jahrhundert<\/strong> stammt aus Heilbronn.<br \/>\nIm <strong>12. und 13. Jh.<\/strong> bestanden Ansiedlungen vor allem in freien Reichsst\u00e4dten wie Schw\u00e4bisch Hall, Esslingen, Schw\u00e4bisch Gm\u00fcnd, Ulm, aber auch in landesherrlichen St\u00e4dten.<!--more--><br \/>\nDer wirtschaftliche Erfolg der Juden, denen handwerkliche und b\u00e4uerliche Berufe verboten waren und die sich deshalb vorwiegend im Geldgesch\u00e4ft bet\u00e4tigten, aber auch ihre Religion machten sie im Mittelalter immer wieder zu Opfern gesellschaftlicher Diffamierungen und Verfolgungen: Von dem historischen Vorwurf, schuld am Tode Christi zu sein, einmal abgesehen, beschuldigte man sie des rituellen Mordes an Christenkindern, der Sch\u00e4ndung geweihter Hostien, der Brunnenvergiftung und vieler anderer Verbrechen. Besonders im <strong>14. Jh.<\/strong>, w\u00e4hrend der Pestepidemie 1348\/49, kam es zu grausamen Verfolgungen, die viele Judensiedlungen ausl\u00f6schten.<br \/>\n<strong>1236<\/strong> hatte Kaiser Friedrich II. die Juden unter den Schutz des Reiches gestellt \u2013 ein Schutz, der bald von vielen Adligen ausge\u00fcbt wurde und f\u00fcr die man die Juden kr\u00e4ftig zahlen lie\u00df. Seit dem Erlass der Goldenen Bulle von 1356 durften die Kurf\u00fcrsten, sp\u00e4ter viele andere F\u00fcrsten und ab 1548 auch die Reichsritter das finanziell eintr\u00e4gliche Recht des Judenschutzes aus\u00fcben. Trotzdem gab es im <strong>16. Jh.<\/strong> in W\u00fcrttemberg keine freie Reichsstadt mehr, die Juden in ihren Mauern duldete.<br \/>\nIn der napoleonischen Zeit konnte W\u00fcrttemberg seine Einwohnerzahl und seinen Gebietsumfang fast verdoppeln; es wurde K\u00f6nigreich. In den neuen Landesteilen lebten viele Juden, meist in armseligen Verh\u00e4ltnissen. Um <strong>1800<\/strong> gab es im Herzogtum W\u00fcrttemberg 534 Juden, <strong>1817<\/strong> im K\u00f6nigreich W\u00fcrttemberg 8256. Der erste w\u00fcrttembergische K\u00f6nig, Friedrich, war den Juden g\u00fcnstig gesonnen. Er erlaubte ihnen den G\u00fctererwerb (1807), hob den Leibzoll auf und erm\u00f6glichte ihnen den Zugang zu handwerklichen und landwirtschaftlichen Berufen.<br \/>\nDennoch blieb Vieles im Argen, da es f\u00fcr die j\u00fcdischen Kinder weder Schulen noch Schulpflicht gab. Das w\u00fcrttembergische Judentum lebte vor allem auf dem Land. Die christliche Bev\u00f6lkerung hielt das Elend der Juden f\u00fcr selbstverschuldet. <strong>1828<\/strong> wurden sie durch Gesetz w\u00fcrttembergische Untertanen. Es entstanden 13 Rabbinate unter einer Israelischen Oberkirchenbeh\u00f6rde in Stuttgart. Weitere Gesetze <strong>1848\/49<\/strong> und <strong>1864<\/strong> gew\u00e4hrten schlie\u00dflich die v\u00f6llige Gleichstellung der Juden.<br \/>\nIm <strong>19. Jh.<\/strong> gab es eine Reihe bedeutender j\u00fcdischer Pers\u00f6nlichkeiten in W\u00fcrttemberg (und Baden): Schriftsteller, K\u00fcnstler, Architekten, Juristen und \u00c4rzte. Die Juden hatten als Industrielle wesentlichen Anteil am technischen Aufschwung in W\u00fcrttemberg. Der aus Laupheim stammende Bankier und Kommerzienrat Kilian von Steiner (1833 \u2013 1903) sei als Beispiel genannt. Ber\u00fchmtheit erlangte auch der Dichter Berthold Auerbach (1812- 1882) mit seinen \u201eSchwarzw\u00e4lder Dorfgeschichten\u201c und nat\u00fcrlich Albert Einstein (Vorfahren aus Laupheim und Bad Buchau), der als Physiker das moderne Weltbild entscheidend gepr\u00e4gt hat.<\/p>\n<p><strong>Im ersten Weltkrieg<\/strong> stellten die 10 824 w\u00fcrttembergischen und die \u00fcber 25 000 badischen Juden viele Freiwillige. Die Juden f\u00fchlten sich als Deutsche.<br \/>\nZu Beginn des Jahres <strong>1933<\/strong> lebten auf dem Gebiet des heutigen Baden-W\u00fcrttemberg etwa 31 000 j\u00fcdische Mitb\u00fcrger. Ihre Zahl hatte sich in hundert Jahren kaum vermehrt, ihr Anteil an der Gesamtbev\u00f6lkerung sogar vermindert. Schon vor 1850 hatte eine starke Auswanderungswelle nach Amerika eingesetzt.<\/p>\n<p>Die nationalsozialistische \u201eMachtergreifung\u201c war f\u00fcr die \u00fcberalterten israelitischen Landgemeinden und f\u00fcr die st\u00e4dtischen Gemeinden eine Katastrophe. Zwar stie\u00df die NS-Rassenideologie mit ihrem Antisemitismus in der Bev\u00f6lkerung zun\u00e4chst auf Unverst\u00e4ndnis, doch die massive Propaganda des Regimes konnte die Juden in ein zun\u00e4chst noch unsichtbares Ghetto abdr\u00e4ngen. Die vom Regime organisierte <strong>Reichspogromnacht am 9. November 1938<\/strong> verschonte kaum eine Judengemeinde. Doch das Demolieren und Niederbrennen der Synagogen (auch in Laupheim und Buttenhausen) und die Verw\u00fcstung j\u00fcdischer Gesch\u00e4fte geschah fast ausschlie\u00dflich durch Angeh\u00f6rige von NS-Organisationen (SA und SS). Im ganzen Reich wurden 26 000 m\u00e4nnliche Juden verhaftet, die Juden mussten obendrein 1 Milliarde RM als so genannte S\u00fchneleistung bezahlen. Viele flohen ins Ausland, die, die nicht emigrieren konnten (die USA z. B. verlangte B\u00fcrgschaften) oder wollten, wurden im Verlauf des Zweiten Weltkrieges gnadenlos ermordet <strong>(Holocaust\/Shoah)<\/strong>. Etwa zwei Drittel der j\u00fcdischen Bev\u00f6lkerung rettete sich durch Emigration. Im Land selbst \u00fcberlebten nur knapp 2%!<br \/>\n<strong>1945<\/strong> waren die Judengemeinden in W\u00fcrttemberg (und Baden) restlos vernichtet. Nach dem Krieg bildeten sich lediglich in sechs gr\u00f6\u00dferen St\u00e4dten in Baden-W\u00fcrttemberg (Stuttgart, Mannheim, Karlsruhe, Freiburg, Heidelberg und Baden-Baden) wieder kleine j\u00fcdische Gemeinden.<br \/>\n1991 gab es in Baden-W\u00fcrttemberg knapp 2000 Mitglieder der Israelitischen Religionsgemeinschaft. Durch die Einwanderung von Juden aus der ehemaligen Sowjetunion ist die Zahl seither auf rund 7500 gewachsen, neue (Filial)-Gemeinden wurden gegr\u00fcndet (u. a. in Reutlingen). In W\u00fcrttemberg sind alle diese Gr\u00fcndungen Filialgemeinden der Stuttgarter Gemeinde.<\/p>\n<p>Nach: Paul Sauer: Die j\u00fcdischen Gemeinden in W\u00fcrttemberg und Hohenzollern, Stuttgart 1966.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hintergrundinformation zum Vortrag Eberhard Zacher am 12. September in der Stadtbibliothek Schon im fr\u00fchen Mittelalter gab es j\u00fcdische Siedlungen auf dem Gebiet des heutigen Baden-W\u00fcrttemberg. 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