{"id":2258,"date":"2018-10-09T20:10:31","date_gmt":"2018-10-09T18:10:31","guid":{"rendered":"http:\/\/www.aks-metzingen.eu\/aks\/?p=2258"},"modified":"2018-10-09T20:13:43","modified_gmt":"2018-10-09T18:13:43","slug":"die-juden-von-buttenhausen-vortrag-von-eberhard-zacher-in-der-stadtbibliothek","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.aks-metzingen.eu\/aks\/die-juden-von-buttenhausen-vortrag-von-eberhard-zacher-in-der-stadtbibliothek\/","title":{"rendered":"Die Juden von Buttenhausen, Vortrag von Eberhard Zacher in der Stadtbibliothek"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<h1>Die Juden von Buttenhausen. Geschichte, Alltag und Schicksal einer j\u00fcdischen Landgemeinde<\/h1>\n<p>D<a href=\"http:\/\/www.aks-metzingen.eu\/aks\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Negative0-22-231.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-2259 size-medium\" title=\"Bernheimer'sche Realschule\" src=\"http:\/\/www.aks-metzingen.eu\/aks\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Negative0-22-231-200x300.jpg\" alt=\"Bernheimer'sche Realschule\" width=\"200\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/www.aks-metzingen.eu\/aks\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Negative0-22-231-200x300.jpg 200w, http:\/\/www.aks-metzingen.eu\/aks\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Negative0-22-231.jpg 533w\" sizes=\"auto, (max-width: 200px) 100vw, 200px\" \/><\/a>er Vortrag am 12. September fand gro\u00dfes Interesse. Die Stadtb\u00fccherei war voll, Herr Koch, der Leiter der Stadtb\u00fccherei, war sogar gezwungen, aus Raumgr\u00fcnden manchen Interessierten den Eintritt zu verwehren.<\/p>\n<p>Herr Zacher, hervorragender Kenner der j\u00fcdischen Geschichte Buttenhausens und ehrenamtlicher Mitarbeiter des dortigen J\u00fcdischen Museums, schilderte in mehr als zwei Stunden, unterst\u00fctzt von \u00fcber 100 Bildern, die Geschichte des Dorfes von 1787 bis 1945.<\/p>\n<p><!--more-->1787 erlie\u00df Philipp Friedrich Freiherr von Liebenstein einen Judenschutzbrief f\u00fcr seine Herrschaft Buttenhausen. Zun\u00e4chst wurden 25 Familien in den Judenschutzbrief aufgenommen, diesen wurde weitreichende religi\u00f6se Autonomie gew\u00e4hrt. Die Juden durften eine Synagoge und eigene H\u00e4user auf freiherrlichen Grundst\u00fccken bauen. F\u00fcr das Recht der Ansiedlung bezahlten sie den so genannten Judenschutz. Die ersten Familien lie\u00dfen sich ein Jahr sp\u00e4ter im Dorf nieder, sie lebten vom Kleinhandel und vom Hausieren, dem so genannten Schacherhandel. Ihr Einkommen war sehr bescheiden. In den Anfangsjahren pr\u00e4gten hohe finanzielle Lasten die j\u00fcdische Gemeinde, denn die Juden mussten nicht nur an die Herrschaft, sondern auch an die Ortsgemeinde Abgaben entrichten.<\/p>\n<p>Als Buttenhausen 1805 w\u00fcrttembergisch wurde, besserten sich allm\u00e4hlich die Lebensumst\u00e4nde. Juden durften jetzt Grundbesitz erwerben, in die Z\u00fcnfte eintreten und b\u00fcrgerlichen Gewerben nachgehen. In den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts waren Handel und Gewerbe noch die ausschlie\u00dflichen Erwerbszweige der Buttenhausener Juden. Dies \u00e4nderte sich allm\u00e4hlich in der Mitte des Jahrhunderts; w\u00e4hrend manche Familien den traditionellen Vieh- und Pferdehandel weiter ausbauten, er\u00f6ffneten andere j\u00fcdische B\u00fcrger im Ort Ladengesch\u00e4fte. In der zweiten H\u00e4lfte des 19. Jahrhunderts konnten Juden stattliche, mehrst\u00f6ckige H\u00e4user bauen und Gastwirtschaften er\u00f6ffnen. Buttenhausen mauserte sich zu einem kleinst\u00e4dtisch wirkenden gewerblichen Zentrum der Region. 1870 lebten in dem Dorf 442 Juden und 392 Christen. In den folgenden Jahrzehnten wanderten viele Juden in die St\u00e4dte ab, denn dort boten sich bessere Berufs- und Arbeitsperspektiven. Um 1900 waren noch 40 Prozent der Einwohner Buttenhausens Juden, 1925 sank ihr Anteil auf 22,6 Prozent. Am Ende der Weimarer Republik 1933 lebten nur noch 89 meist \u00e4ltere Juden im Ort.<\/p>\n<p>1862 wurde ein Volksschulhaus f\u00fcr evangelische und j\u00fcdische Kinder gebaut, 1904 kam die Realschule dazu. Diese stand allen offen; Christen und Juden, M\u00e4dchen und Jungen, Einheimischen und Ausw\u00e4rtigen. Die f\u00fcr so ein kleines Dorf au\u00dfergew\u00f6hnliche schulische Einrichtung war eine Stiftung des in Buttenhausen geborenen und in M\u00fcnchen erfolgreichen K\u00f6niglich Bayrischen Kommerzienrats Lehmann Bernheimer. Als die Inflation 1923 das Stiftungsgeld aufgezehrt hatte, musste die Schule schlie\u00dfen. Heute ist das eindrucksvolle, st\u00e4dtisch wirkende Geb\u00e4ude B\u00fcrgerhaus und J\u00fcdisches Museum.<\/p>\n<p>Eberhard Zacher berichtete anschaulich \u00fcber das Mit- und Nebeneinander der beiden Religionen und der Menschen, die wirtschaftliche und kulturelle Bl\u00fcte des Dorfes. Mit dem Beginn der NS-Herrschaft 1933 setzte die rechtliche und wirtschaftliche Diskriminierung ein, die schlie\u00dflich zur v\u00f6lligen Entrechtung und Vernichtung der Juden f\u00fchrte. Antisemitismus und Rassenhass wirkten sich auch in Buttenhausen aus. Sp\u00e4testens nach dem Novemberpogrom 1938, in dem auch die Synagoge zerst\u00f6rt wurde, war die Lebensgrundlage der j\u00fcdischen Bev\u00f6lkerung im Dorf existenziell bedroht. \u201eWer jetzt nicht auswanderte, wurde in die Konzentrations- und Vernichtungslager im Osten deportiert. Kein j\u00fcdischer Buttenhausener kehrte nach 1945 zur\u00fcck.\u201c (Zacher).<\/p>\n<p>Abschlie\u00dfend ging Herr Zacher auch auf das gro\u00dfartige \u201eb\u00fcrgerschaftliche Engagement gegen das Vergessen\u201c des Landwirtschaftsmeisters Walter Ott ein, der sich die Aufarbeitung der Dorfgeschichte und besonders der Geschichte der j\u00fcdischen Gemeinde von Buttenhausen zur Aufgabe gemacht hatte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Die Juden von Buttenhausen. Geschichte, Alltag und Schicksal einer j\u00fcdischen Landgemeinde Der Vortrag am 12. September fand gro\u00dfes Interesse. 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